Wuppertal: Giorgos Zantiotis und sein Tod werden in den Dreck gezogen

Riot Turtle

Nov. 15, 2021

Am 1. November 2021 starb Giorgos Zantiotis in einer Zelle im Landgericht Wuppertal. Erst am 07. November bestätigten die Staatsanwaltschaft Wuppertal und die Wuppertaler Polizei den Todesfall. Nicht von sich aus, sondern auf Nachfrage von Journalist*innen. Seitdem werden Giorgios Zantiotis und seinem Tod in den Dreck gezogen. Sunzi Bingfa

Die Nachricht kam über Umwege, der Tod von Giorgos Zantiotis wurde am 6. November auf dem Athener indymedia Portal öffentlich gemacht. In den Tagen zuvor waren Genoss*innen aus Wuppertal und einige andere Städten in der BRD informiert worden. Mehrere Tagen wurde recherchiert, aber es wurde weder eine Pressemitteilung der Wuppertaler Polizei, noch Informationen von der Staatsanwaltschaft Wuppertal zum Tod von Giorgos gefunden. Nun wurden auch Journalist*innen informiert und einige davon fragten am 7. November bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft Wuppertal nach. Die Polizei bestätigte den Todesfall. Am gleichen Tag erklärte der Wuppertaler Staatsanwaltschaft: “man habe der Tod von Giorgos nicht für ‘Medienrelevant’ gehalten”. Außerdem habe die Staatsanwaltschaft die Angehörigen schützen wollen.

Die Polizei Wuppertal veröffentlichte zwischen dem 1. und 7. November Pressemitteilungen über Verkehrsunfälle und eine Unfallflucht durch einen Fußgänger, im Gegensatz zu dem Tod eines Menschen in Polizeigewahrsam, scheinen Verkehrsunfälle „Medienrelevant” zu sein. Der Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass es inzwischen eine Obduktion gegeben habe und dass der Tod von Giorgos nicht in Zusammenhang mit das Verhalten der Polizei stehen würden.

Am Abend der 7. November gehen in Wuppertal etwa 100 Menschen spontan auf die Straße. Die Demo läuft an der Polizeiwache Hofkamp vorbei und zieht danach zum Landgericht, dem Ort, wo Giorgos am 1. November gestorben ist. Die Bullen sind zwar in großer Zahl anwesend, aber halten sich zurück, sie möchten wohl weitere Medienberichte über Polizeigewalt vermeiden.

Schnell wird immer deutlicher dass die Staatsanwaltschaft alles andere im Sinn hat, als die Familie zu schützen. Eine für Montag, den 8. November, angekündigte gemeinsame Pressemitteilung der Wuppertaler Polizei und Staatsanwaltschaft erscheint schon am 7. November. Wie so oft, wenn es ein Todesfall im Zusammenhang mit einer Maßnahme der Bullen gibt, wird sofort klar wo die Reise hingehen soll. Die Pressemitteilung hat den Titel: „25-jähriger Mann verstirbt im Polizeigewahrsam der Wuppertaler Polizei – Obduktion ergibt keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“.

Die Brutalität während der Festnahme von Giorgos, die auf dem auf indymedia veröffentlichten Video (s.o.) deutlich zu sehen ist, wird von den Bullen und der Staatsanwaltschaft nicht thematisiert. Auch nicht, dass mehrere Bullen auf ihm knien, u.a. auf seinem Bauch, obwohl Giorgos zwei Monate vor seinem Tod am Magen operiert wurde. Das alles wurde weder von den Wuppertaler Bullen, noch von der Staatsanwaltschaft thematisiert. „Die Obduktion ergibt keine Hinweise auf ein Fremdverschulden“, das ist der Satz der von der Verantwortung der Bullen ablenken soll. Wie es schon so oft passiert ist. Oury Jalloh lässt grüßen.

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Wie immer ermittelt die Polizei Hagen, so wie die Polizei Wuppertal immer bei Todesfallen in Zusammenhang mit der Hagener Polizei ermittelt. Viele Medien zitieren dabei der Staatsanwaltschaft, dass dies aus Neutralitätsgründen geschehe. Die Polizei ermittelt also mal wieder gegen sich selbst und alle wundern sich darüber dass am Ende nie ein Polizist zur Verantwortung gezogen wird. Während Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert immer wieder sagt dass er die Familie schützen wollte, lenkt er immer wieder von den Geschehnisse bei der Festnahme ab. Giorgos wird dabei von ihm kriminalisiert. Es seien Drogen im Spiel gewesen. Das Ziel ist Giorgos nach seinem Tod zu entmenschlichen. Die Botschaft von Baumert ist: Drogen → Kriminell → das Opfer ist selbst schuld. Das Ziel ist erneut: Ablenken von die Verantwortung der Staatsmacht. Er zitiert auch immer wieder aus dem Obduktionsbericht, zu einem Zeitpunkt wo die Familie weder den Leichnam, noch dem Obduktionsbericht zu sehen bekommen haben. Viele Medien (nicht alle!) übernehmen die Erzählung der Staatsanwaltschaft, ohne sich die Mühe zu machen mit Zeug*innen zu sprechen, oder auf andere Weise ernsthaft zu recherchieren was am 1. November passiert ist.

Am Donnerstag, den 11. November, werden im Innenausschuss vom Landtag NRW ganze 10 Minuten über Giorgos gesprochen. Innenminister Reul möchte dass der Tod von Giorgos nicht breit getreten wird. Im Innenausschuss wird neben Herzversagen durch Drogen auch Alkoholkonsum im Spiel gebracht. Es soll 0,01 Promille Alkohol im Blut von Giorgos gewesen sein. 0,01 Promille, also nichts. Die Opposition hat trotzdem keine Fragen. Staatsräson. Denn es gibt viele Fragen. Die Schwester hat am Tag zuvor Anzeige erstattet, da sie die Festnahme von Giorgos ganz anders in Erinnerung hat.

Laut Oberstaatsanwalt Baumert hat die Schwester sich vor seiner Festnahme mit Giorgos gestritten. Die Schwester bestreitet dies vehement während einer Rede auf der Demonstration am 13. November. Etwa 400 Menschen waren erneut zur Polizeiwache am Hofkamp gezogen, im Anschluss wurde eine Gedenkstätte am Landgericht eingerichtet. Die Bullen halten sich nach eine kurze Machtdemonstration zur Einschüchterung auf dem Ölberg am Nachmittag während der Demo selbst erneut zurück. Da die Wuppertaler Polizei schon für weniger in Demonstrationen rein gerockt ist, wollen sie wohl keine neuen schlechten Schlagzeilen. Antagonistische Splitter sind zwar anwesend bei der Demo, entscheiden aber aus Respekt für die anwesende trauernde Familienangehörigen sich mit direkten Aktionen zurück zu halten. Bei der Gedenkstätte wird eine Minute geschwiegen, wonach ein ältere griechischstämmige Frau das Mikrofon nimmt und u. a. sagt: „Das war Mord!“

Die Staatsanwaltschaft und die Bullenpresse ziehen Giorgos posthum durch den Dreck. Die Aufklärung der dritte Todesfall in 2 Jahre in Zusammenhang mit „polizeiliche Maßnahmen“ in Wuppertal, wird aber nicht geräuschlos im Sande verlaufen. Viele Aktiven haben die Familie ihre Unterstützung nicht nur zugesagt, sie arbeiten auch schon aktiv mit an der Aufklärung von den Umstände wie Giorgos zu Tode kam.

Die Wuppertaler Genoss*innen wünschen viele Soli-Aktionen in und außerhalb von Wuppertal, denn der Kampf gegen die strukturelle Gewalt der Bullen und für die Aufklärung von den Geschehnisse am 1. November muss intensiviert werden. Nachdem es außer in Wuppertal, auch schon zu Demonstrationen und Kundgebungen in u.a. Koblenz, Hamburg und Frankfurt am Main kam, wird es am 20. November um 18:00 Uhr eine Demonstration in Berlin geben. Startpunkt ist der Karl-Marx Platz.

fasdf sunzibingfa.noblogs.org

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